Schreiben

In der Ausgabe der LICHTUNGEN 151/XXXVIII ist meine Kurzgeschichte

"Lebensabschnitt mit Silberfuchs" zu finden.

Der Musenblog

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ich arbeite an mir

ich arbeite an dir

ich arbeite am wir

 

ich arbeite uns kaputt

 

 

 

Blick aus dem Küchenfenster II

Blick aus dem Küchenfenster II

 

Die Sonne hat die Häuser leergefegt,

am Rheinufer tollen die Hunde im Sand,

bellen den Frachtern nach,

ich habe dieses Bild gleich wieder erkannt.

 

Bloß das Grau ist vorbeizogen

und hinterlässt uns Blüten im malerischen Licht,

endlich erkenne ich die Birke wieder,

viel zu lange war der Verzicht.

 

Auch der Winter ist nun vorbei,

Vögelflügel gleiten leichter,

ich setze den Kaffee auf.

Er ist da, Frühling ist da.

Liebevoller kann das Leben nicht sein.

 

Namen geben

Ich möchte mir einen Namen geben

und fange mein Studium an

und dann einen Job

und dann ein Auto

und dann einen Mann

und dann einen Kredit

für ein Haus

und dann Kinder

das ist irgendwie schwierig

nach 15 Jahren Pille

und dann schwanger

und dann perfekt vorbereitet

habe ich plötzlich kaum mehr Zeit für mich

und dann arbeiten und leben wir

und arbeiten und leben wir

und dann verkaufe ich ein Buch

Traum erfüllt

und dann verliebst du dich in irgendeine andere

weil ich irgendwie immer

nur mit Selbstverwirklichung beschäftigt war

und dann fühlt sich mein Leben zu Ende an

und dann macht mein Sohn

einen Abschluss

und ich rate ihm

sich nicht einfach einen Namen geben zu wollen

und dann geht er weg

und dann werde ich krank

und dann sterbe ich

und dann erbt mein Sohn

irgendwas

und verkauft alles

und lebt-

gute Erziehung

Zum Schreiben

 

"Kinder sträuben sich oft deshalb gegen das Schreiben, weil in der Schule viel zu viel wert auf Rechtschreibung, Form, Satzstruktur, sogar Stil gelegt wird und damit die Kreativität des Kindes unterdrückt und erstickt wird.

 

Man braucht sich nur mal vorzustellen, was geschehen würde, wenn ein Kleinkind erst dann etwas sagen dürfe, wenn es völlig richtige Sätze bilden könnte." (Dagmar Schmitz)

 

nachts sterbe ich auch

Ich will nachts

verwunschene Prinzen küssen

und in friedliche Rebellen

verwandeln

 

die Bärte tragen wie Marx

und Herzen wie Mandela

und einen Willen wie Guevara

 

Aber alle sind tot

nachts sterbe ich auch

-

Ich möchte die Härte fortküssen

von deinen Mundwinkeln

was hat sie dir angetan?

Die Frau, die du lieben wolltest.

Tu mir das

nicht wider an,

lehn mich nicht ab,

leg dich zu mir

an mein bedürftiges Herz

bevor du hinein fällst

in die Schwere der Nacht.

Dort

 

 

ist das Meer

Sommerferien

Kinder

die Möwen füttern

und Krabben an ihren

kurzen Beinen

fangen

und Muscheln sammeln.

Die Mutter ruft.

 

Das Meer

spült einen Jungen an

das sollen die Kinder

die lachen

in den Sommerferien

mit Sandeimern

voller Krabben und Muscheln

nicht sehen.

 

 

Der Irrtum

 

Der Plattenspieler ist kaputt,

 

 

er hängt und stört Fräuleins Stille,

aus ihren Händen rieselt der Schnee,

 es ist kalt geworden

 und der Besuch friert beim Tee.

 

 

Neben dem Kamin ist sie so zugeknöpft,

 da kommt niemand durch,

 und die Schatten der Kinder die es nie gab

 spielen verstecken,

 in den gut eingeteilten staubfreien

 Wohnzimmerecken.

 

 

Lebensfragen

 gut sortiert an der Wand aufgehängt,

die mit Risiko brennen im Feuer

 das Bett ist groß

 und in ihm wartet der Zweifel, das Ungeheuer.

 

 

Bereits angefreundet, deckt sie ihn zu

und schaut in die bösen Augen,

notiert noch schnell die Dinge die glücklich machen

 und als sie sich an ihn kuschelt,

 fühlt sie sich plötzlich irrsinnig mutig und

 ich kann

 ihren Irrtum kaum glauben.

 

Inventar

Mein Notizbuch

in meinem Lederrucksack

Aquarellfarben

und Kohlestifte

Das sind meine Bilder,

zusammengerollt und meine Geldbörse,

mein Pass neben meiner Kimlik,

sein Passbild

Ich trage meine jeans

in der Hosentasche mein Handy,

mit Riss im Display

und ein paar Münzen

Der Hausschlüssel liegt auf dem Tisch

gleich neben dem Sessel

gleich neben dir, euch

du und er, mein Inventar.

 

Winter ist auf dem Weg

Blick aus dem Küchenfenster

Unberührt vom Novemberregen

schippern die Frachter über den Rhein,

ein paar schwarze Amseln

suchen hektisch das Weite

schütteln unterm Vordach ihr nasses Federkleid,

die blaue Regentonne läuft über.

Ich schütte Milch in den Kaffee

schiebe meine Füße unter die Heizung,

das leuchtende Herbstlaub

verschwimmt zu einem schummrigen braun.

Es fallen immer noch Blätter

der Zucker in seinen Tee 

rührend sitzen wir beieinander 

die Zeit verstreicht langsamer,

der Winter ist auf dem Weg.

Straßenlyrik

 Ein lyrisches Puzzle Istanbuler Eindrücke